Orientalische Roller
von Dieter Tödtemann & Willem Niepce
Herkunft
Die ersten Orientalische Roller wurden in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts aus dem Osten Europas zu uns in Deutschland eingeführt. In Osteuropa kennt man mehrere Rollerrassen aber der Name "Orientalische Roller" war da lange Zeit nicht üblich. Der Name "Orientalische Roller" ist erst in Deutschland entstanden. Die Osteuropäischen Roller wurden oft nach Städten genannt wie z.B. der Odessa Roller oder der Debreciner Roller. Der genaue Ursprung der verschiedener Rollerrassen ist nicht bekannt. Sie sollen angeblich aus Innerasien oder sogar aus Indien stammen. Die Orientalische Roller zeigen jedoch eine hohen Verwandschaftsgrad aus zu dem Smyrnaer Roller. Der Smyrnaer Roller stammt, wie sein Name uns verrät, aus der ehemaligen Stadt Smyrna in Kleinasien, dem heutigen Izmir in der Türkei.Diese Smyrnaer Roller waren auch in Jugoslawien in der Stadt Sarajevo,noch häufig anzutreffen. Durch den langen Schnabel bedingt, erscheint der Kopf des Smyrna Roller langgezogen. Der Gegensatz ist bei Gegenüberstellung mit dem Orientalischen Roller auf den ersten Blick erkennbar. Er erscheint viel kleiner, sein Schnabel ist eckiger, sein Gefieder nicht so glänzend.
Zuchttiere bei Spfr. Hartmut Fehrholz, Jüchen - Hochneukirch
Rassemerkmale
Eigentlich sollte man annehmen, die Orientalische Roller wären immer glattfüßig wie es unsere Musterbeschreibung vorsieht, das stimmt jedoch nicht. Es gibt die Orientalischen Roller auch mit befiederten Beinen und nicht einmal selten. Bestrümpft sind sie in Rumänien häufig, Belatschte findet man in Ungarn. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um richtige Orientalische Roller, die sonst in allen Punkten der Musterbeschreibung entsprechen. Aus diesem Grunde sind die Tauben in Rumänien und Ungarn sowohl glattfüßig wie auch mit gefiederten Beinen anerkannt.
Die Tauben sind mittelgroß. Der Kopf ist abgerundet, immer ohne Haube, mit etwas breiter, leicht gezogener Stirn. Der Schnabel ist mittellang und hellfleischfarbig. Ein dunkeler Stipp ist jedoch bei den schwarzen, Blauen und Vielfarbigen zulässig. Die Augen sind Perlfarbig, Blutäderchen in den Augen dürfen vorhanden sein. Der Hals ist mittellang, zur Kehle hin dünner, zum Körper hin stärker werdend. Der Rücken ist kurz und durch die ansteigende Schwanzlinie hohl. Die Schwingen hängen unter dem Schwanz. Der Schwanz wird erhoben getragen, er muss aus 14 - 18 Steuerfedern bestehen und leicht gewölbt sein. Doppelfedern, auch Zwillingsfedern genannt, in der Schwanzmitte kommen vor und werden gern gesehen. Die Bürzeldrüse fehlt. Die Beine sind mittellang glatt, bestrümpft, die Zehen eben bedeckend, kurz oder länger belatscht. Bei uns in Deutschland , züchtet man für die Ausstellung im Moment nur glattfüßige
Die Farbenschläge gibt es Einfarbige in Schwarz, Blau, Gelb und Weiß,dann zwischenfarben und zweifarbige, letztere sind Weiße mit schwarzer oder gelber Sprenkelung, Silberblaue mit roten oder gelben Flügelbinden und eben solchen Hals, dann Weißschläge, Weißschwänze und Vielfarbige, letztere auch Almondfarbige genannt.
Für uns persönlich zählen die Tauben von Hartmut Fehrholz zu den bestfliegenden Orientalischen Rollern in Deutschland. Von Kindesbeinen an, hat er dieselbe durchgezüchtete Rasse von seinem Freund, der 1971 schon die Goldmedaille im Deutscher Flugroller Club (DFC) gewonnen hatte, mit drei alten und drei jungen Orientalischen Rollern. Es ist die Zucht von Günter Erkens, Gladbach die Hartmut Fehrholz bis zum heutigen Tage sauber weitergezüchtet hat. Seine Tiere fliegen verstreut in u.a. ganz Deutschland, Belgien, Niederlande und auch in Amerika züchtet man aus seinen Orientalischen Rollern hervorragend.
H.Fehrholz(Rechts)im Gespräch mit Willem Niepce
Zucht, Haltung und Dressur
Der Orientalische Roller ist eine recht anspruchlose Rasse. Sie stellt keine besondere Ansprüche an Fütterung oder Pflege. Bei dieser vitalen Taubenrasse darf man in der Zuchtsaison auf 4-5 Bruten rechnen. Es sind zuverlässsige Elterntiere die ihre Jungen ohne Probleme groß ziehen. Der Orientalische Roller hat einen temperamentvollen Character, er kann aber auch recht zutraulich werden. Auch die Flugdressur mit Orientalische Rollern ist nicht kompliziert. Es sind intelligente Tiere die gut auf Signalen reagieren und schnell dazulernen. Bemerkenswert ist dass der Orientalische Roller nicht nur vom Heimatschlag aus gestartet wird. Er lässt sich auch sehr gut von transportabelen Flugkästen aus fliegen. Die Tauben werden nachdem sie an ihren Flugkasten gewöhnt sind, einfach irgendwohin mitgenommen und dort aufgelassen. Am Flugende kehren die Tauben wieder zu ihrem Flugkasten zurück. Besonders unsere Sportsfreunde vom Deutscher Flugroller Club engagieren sich für diese Art von Flugtaubenhobby. Es werden sogar internationale Flugkästentreffen mit Wettflügen organisiert wobei man kleine Stiche von 3-5 Tiere auflässt. Auf dieser Weise kann man auch mit wenig Tiere viel Spaß am Taubenhobby haben. Mit all diesen positiven Eigenschaften eignet dieser Rasse sich nicht nur für erfahrene Taubenzüchter aber kann man sie auch an Anfänger oder Jungzüchter empfehlen.
Der heutige Leistungsstand
Der Orientalische Roller ist einer der beliebtesten Tümmlerrassen Deutschlands. Es wurde schon in 1914 ein Sonderverein für sie gegründet der noch immer sehr aktiv ist. Der Orientalische Roller hat sich wegen seiner Schönheit besonders als Ausstellungsrasse stark verbreitet. Vor etwa 30 Jahren aber gab es in Deutschland wegen verschiedenen Gründe nur noch wenig flugfähige Orientalische Roller. Erfreulicherweise fand man wieder Interesse am Rollersport und heutzutage gibt es wieder mehrere begeisterte Flugzüchter und sind leistungsstarke Orientalische Roller keine Seltenheit mehr.
Zuchttier 1,0 bei Spfr.
Helmut F.Tögel, Burghaun
Foto:Georg Terno,Würzburg
Manche Züchter sehen den Orientalischen Roller als eine Taube, von der man nur intensives Rollen erwartet. Sie richten ihre Orientalische Roller ab auf eine Flugzeit von 30 bis 60 Minuten wobei die Tauben nie über die untere und mittlere Höhe hinaus kommen. Wer an extremes Rollen Freude hat, für den währen der Birmingham Roller vielleicht eine mehr geeignete Rasse. Selbstverständlich sollte man als Flugzüchter den Orientalische Roller in erster Linie wegen ihr Rollvermögen fliegen. Aber bei einer einseitigen Selektion wobei nur auf Rolleistung gezüchtet wird, kann es zu Nachlassen der Flugleistung führen.Ein echter Orientalische Roller ist unserer Meinung nach eigentlich eine Hochflugtaube, die zu ihrem Hochflug allerlei Flugfiguren wie z.B. Mühledrehen, Überschlagen, Seitwärtsrollen usw. zeigt wobei ein jedes Tier ein anderer Flugfigur bringt. Die Zeitdauer des Fluges ist bei dieser Rasse natürlich nicht ausschlaggebend. Ein Orientalischer Roller ist nähmlich kein Dauerflieger wie z.B. der Tippler, Budapester oder Serbischer Hochflieger aber bei entsprechendem Flugwetter, richtiger Training und Fütterung sollte man doch sicher 1-2 Stunden Flugzeit erwarten können. Es sind Flugzeiten von 4-5 Stunden festgestellt worden. Ja sogar in den USA -Kalifornien gibt es solche Zeiten wie uns berichtet wurde, von Andy Estrada, Vorsitzender des amerikanischen Flugverein für Orientalische Roller (Flying Oriental Roller Society). Dieser Züchter hatte 1998 mit Hilfe aus unserer DHC Gruppe Rheinland 4 Paare Orientalische Roller von Hartmut Fehrholz eingeführt. Mit seinem Stamm gekreuzt, hatte Andy gleich gute Erfolge erziehlt. Praktisch gesehen musste das auch klappen. Andys Tauben stammen teilweise ab von Orientalische Roller die vor 70 Jahren aus der Türkei und Persien nach Amerika kamen. Diesen Stamm wurde von Paul Bradford und Dale Husband aus dem amerikanischen Bundesstaat Utah schon seit viele Jahre rein weitergezogen und jetzt hat das Auffrischen durch Andy beide Stämme gut getan.
Orientalische Roller beim Flug in Kalifornien
Foto: Andy Estrada, Paradise
Der Orientalische Roller ist eine vielseitige Rasse die nicht nur Schönheit im Schlag oder Ausstellungskäfig bringt sondern auch bemerkenswerte Roll- und Hochflugleistung zeigt. Wohl keine andere Flugtaube ist so abwechslungsreich in seiner Flugweise wie der Orientalische Roller. Im Hochflug steht sie außerdem, was die erreichte Höhe betrifft, den anderen Hochflugrassen im allgemeinen nichts nach. Eine solch faszinierende Taubenrasse gilt es nicht nur das Erscheinungsbild sondern auch die Flugleistung zu fördern
Steigerung der Flugleistung
Für Rollerzüchter und solche die es werden wollen, sollen hier die Mittel und Maßnahmen geschildert bekommen, mit denen die Flug und Rollerleistungen erheblich gesteigert werden können. Dazu sind folgende Punkte zu beachten:
- Die persönliche Einstellung und Ausdauer, sowie ein volles Maß von Liebe zur Sache. Sind diese vorhanden, so ist der halbe Erfolg schon gesichert.
- Einstellung nur mit gutem Taubenmaterial aus bewährten Flug und Rollerstämmen.
- Zweckmäßige Pflege und Fütterung.
- Eine auf sorgfältig beobachtete Leistungen der einzelnen Tauben sich stützende Dressur.
Zuchttier 0,1
bei Spfr.Helmut F.Tögel,Burghaun
Foto:Georg Terno,Würzburg
Zu Top 1.) und 2.) ist zu sagen, Stelle, wenn möglich nur Jungtiere und zwar solcher Zuchten ein, von denen man die Gewähr hat, dass die Flug und Rollerleistungen oberster Grundsatz ist. Dazu müssen die betreffende Tauben zu regelmäßigen Flüge angehalten werden und so die Lust und dieser Rasse innewohnender Trieb zum Flugspiel stets wachgehalten werden. Übung macht auch hier den Meister und nur dadurch ist dem einzelnen Tier die Möglichkeit geboten, sich zum wirklichen Flieger und Luftakrobaten auszubilden.
Was Top 3.) betrifft, so können wir uns kurz fassen, denn Fütterung, Pflege und Unterbringung des Rollers decken sich mit den Forderungen, die auch für alle übrigen Flugtümmlern zu beachten sind. Vor allem hüte man sich, vor zu reichlichen Fütterung, ein Kardinalfehler, der immer wieder gemacht wird.
Top 4.) Den Kernpunkt aller Maßnahmen zu oben stehendem Thema bildet natürlich die Dressur selbst. Hier liegt der Schlüssel zu jedem Erfolg oder Misslingen.
Wir setzten voraus, das die Dressur selbst im allgemeinen bekannt ist, sie ist richtiger gesagt ja auch nur ein Angewöhnen bestimmter Leistungen der Jungtiere..
Lieber mit wenigen, aber umso vortrefflicheren Fliegern begnügen, als sich mit einem großen Schwarm minderwertigen Stümper herumärgern. Flug täglich einmal zur selben Zeit. Meide Nebel, Regen, starken Wind und zu große Hitze. Halbes Futter vor dem Flug. Lasse stark treibende und brütende Tauben zurück. Verlange keine unvernünftige Ausdauer, 1-2 Stunden genügen. Bedenke, dass die Tauben nach dem Flug einen gesunden Appetit und ein besonderes Bedürfnis nach einem Trunk frischen, kühlen Wassers haben.